Meisterpreis: „Maßgenauigkeit ist das oberste Gebot.“

Interview mit Ingried Gerber

Ingried Gerber ist Schulungsreferentin beim Rohrwerkzeug- und Maschinenhersteller ROTHENBERGER Werkzeuge in Kelkheim. Sie schult Menschen rund ums SHK-Handwerk und ist Jurorin des ROTHENBERGER Meisterpreises.

Warum ist Training so wichtig?
Das Leben ist eine Schule und Können kommt durch Üben. Dafür braucht es eine Anleitung, im Handwerk wie in jedem anderen Beruf. Dazu kommen Veränderungen an Werkzeugen: Wir bei ROTHENBERGER verbessern unsere Werkzeuge ständig, sie neu kennenzulernen lohnt sich immer. Und nicht zu vergessen, es gibt auch immer wieder gesetzliche Veränderungen oder Änderungen von Normen. Das vermitteln wir in einem praktischen Umfeld.

Der ROTHENBERGER Meisterpreis findet an zwei Tagen statt, der erste davon ist dem Training gewidmet. Was lernen die Teilnehmer an diesem Tag?
Am ersten Tag des Meisterpreises reisen die Teilnehmer an und können sich mit den Örtlichkeiten in der SHK-Innung Schweinfurt vertraut machen. Sie bekommen eine Einweisung in die Werkzeuge, die ihnen am nächsten Tag zur Verfügung stehen. Mit manchen davon arbeiten sie sicherlich nicht täglich, da können sie Tipps mitnehmen.

Am zweiten Tag wird es ernst. Dann muss die Wettbewerbsaufgabe erledigt werden. Was müssen die Teilnehmer machen?
Innerhalb von acht Stunden müssen sie eine Vorwandkonstruktion nach Zeichnung mit Bemaßung in die Realität umsetzen. Außerdem gibt es einen kleinen Theorieteil, in dem es Fragen zum Beispiel zum Jugendschutzgesetz oder zum Arbeitsrecht gibt. Auch das ist ja Teil der Meisterprüfung, die über die praktische Arbeit hinausgeht.

Womit arbeiten die Teilnehmer?
Die Teilnehmer arbeiten hauptsächlich mit Werkzeugen, die sie jeden Tag benutzen, an einer Aufgabe, die ihrem täglichen Arbeitsleben entspricht. Je nach Schwerpunkt des einzelnen Handwerkers kommt das eine häufiger vor als das andere, aber es geht um eine Badezimmerinstallation.

Dürfen die Teilnehmer ihr eigenes Werkzeug verwenden?
Nein, eigene Werkzeuge dürfen nicht eingesetzt werden. Das ist aber auch nicht nötig, es ist alles da, was sie brauchen.

Worauf müssen sie achten?
Maßgenauigkeit ist das oberste Gebot. Sie müssen die vorgegebene Zeichnung Wirklichkeit werden lassen.

Welche Teile der Aufgabe bereiten den Teilnehmern die meisten Schwierigkeiten?
Aus meiner Erfahrung der letzten Jahre gibt es nicht das eine Element, das Schwierigkeiten bereitet. Jeder lernt oft bei dem Wettbewerb etwas über sich selbst: Mal ist es die Zeit, mal der Vergleich mit den Kollegen um sich herum, manchmal auch eine Technik, in der jemand vielleicht nicht so geübt ist.

Was macht den Teilnehmern am meisten Spaß?
Die Gemeinschaft macht am meisten Spaß. Die Teilnehmer haben bei Ihrer Meisterprüfung schon bewiesen, dass sie von Ihrem Beruf Ahnung haben. Der Wettbewerb ist eine Möglichkeit, das eigene Können zu zeigen – sich und anderen. Klar, dass sie auch zum Nachbarn schielen, um zu schauen, wie weit der schon ist, aber der Meisterpreis ist eben doch ein gemeinschaftlicher Wettbewerb.

Dürfen Sie den Teilnehmern am zweiten Tag noch helfen?
Bei Verständnisschwierigkeiten hilft Josef Bock, der Leiter der Innung natürlich. Aber bei der Umsetzung gibt es keine Hilfe - es herrscht trotz aller Betriebsamkeit Prüfungsatmosphäre.

Wenn der Wettbewerb am 15. September abends vorbei ist, geht er für Sie in der Jury noch weiter. Sie bewerten die Wettbewerbsarbeiten am 16. September mit Ihren Jurykollegen Josef Bock (Geschäftsstellenleiter der Innung Schweinfurt und Bundestrainer SHK) und André Schnabel, (WorldSkills-Experte SHK). Worauf achten Sie?
Wir beurteilen, wie weit die Aufgabenstellung erfüllt ist. Wie maßhaltig ist die Zeichnung umgesetzt? Wie viel Material hat der Teilnehmer verbraucht? Wie sauber wurde gearbeitet, wie stellt sich das Gesamtbild dar? Funktioniert die Installation, zum Beispiel: ist sie dicht? Und wie sauber wurde der Arbeitsplatz hinterlassen?

Wie sieht die ideale Wettbewerbsarbeit aus?
Die ideale Wettbewerbsarbeit ist die vollständige, maßhaltige Umsetzung der Planung in die Realität. Das ist eine echte Meisterleistung.